Ausserschulische Lernarrangements
Der POLITISCHEN BILDUNG

Warum sich das Verlassen des Schulegeländes lohnen kann!?

Rathäuser, Landesparlamente, der Deutsche Bundestag oder gar das europäische Parlament gehören zu den klassischen außerschulischen Lernorten der Politik, denen die meisten Schüler:innen in ihrer Schulkarriere begegnet sind. Der Besuch von Einrichtungen institutioneller Politik kann mit vielerlei Begründungen als ein sinnvolles Lernen außerhalb des Schulgebäudes legitimiert werden. Entgegengewirkt werden muss allerdings der Gefahr einer fachdidaktische Engführung, die Lernorte der politischen Bildung auf Orte der Politik reduziert. Durch den Fokus auf Orte institutionalisierter Politik kann ein auf den Staat bezogenes, enges Politikverständnis reproduziert werden. Für die Überwindung dieses engen Politikbegriffs als definitorischer Bezugspunkt außerschulischer Lernorte schlagen wir vor, zusätzlich von Lernorten des Politischen zu sprechen. Einige Überlegungen, Beispiele und Strukturierungsvorschläge sind hier auf dieser Website zu finden.

Lernen mit der "politischen Pflanze" im Tropengewächshaus in Witzenhausen

Lernarrangement des Politischen?

Das Verlassen den Schulgeländes wird häufig mit dem Besuch eines anderen (Lern-)Orts begründet. Neben dem Ort nehmen für die Initiierung von Lernprozessen auch andere Aspekte wichtige Funktionen ein. Weil neben den besuchten Orten auch die methodisch-didaktischen Zugänge und die Sprecher:innen vor Ort in didaktische (Vor-)Überlegungen einfließen sollten, schlagen wir vor, von Lernarrangements mit verschiedenen Gestaltungsmerkmalen zu sprechen.

  

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△ ORTE

ORTE

Prominente Orte „der Politik“ – Stadtparlamente, Parteizentralen oder der Deutsche Bundestag – gehören bereits zum festen Repertoire außerschulischer Lernorte der politischem Bildung. Mit einem erweiterten Verständnis von „Orten des Politischen“ können auch alltägliche Orte mit neuen Perspektiven erschlossen und vermeintlich unpolitische Räume repolitiisiert werden.  

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SPRECHER:INNEN

SPRECHER:INNEN

In außerschulische Lernarrangements können  Sprecher:innen in unterschiedlichen Rollen auftreten werden und zu Wort kommen. Welche Stimmen/Positionen dabei angehört und eingebunden, welche verstummen und marginalisiert werden, muss sowohl bei der eigenen didaktischen Planung als auch beim Besuch von Angeboten reflektiert werden.

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△ ZUGÄNGE

ZUGÄNGE

Das Verlassen des Schulgeländes bringt – je nach besuchtem Ort unterschiedliche – Möglichkeiten mit, innovative methodisch-didaktische Zugänge jenseits des geschlossenen Klassenzimmer zu realisieren. Das konkrete Lernen vor Ort kann durch forschend-entdeckende, kreative oder aktionsorientierte Herangeshensweisen gefördert werden. 

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Kooperationen

Häufig werden außerschulische Lernorte für den Besuch von Schulklassen durch Kooperationspartner:innen didaktisch vorbereitet und gestaltet. Bei den Anbieter:innen kann es sich um ganz unterschiedliche Akteure handeln, die aus bestimmten Interessen mit Schule zusammenarbeiten möchten. Das Spektrum reicht von etablierten Akeuren der non-formalen politischen Bildung, deren Angebote sich durch konfessionelle und weltanschauliche Positionen auszeichnen, bis hin zu kleinen, selbst organisierten Bildungsinitiativen, die aus sozialen Bewegungen entstanden. Zunehmend treten auch politische Akteure wie Gewerkschaften, Lobbygruppen oder Stiftungen als Bildungsakteure auf und gestalten außerschulische Lernangebote, um für ihre (politischen) Forderungen zu sensibilisieren. 

Gerade weil durch die Zusammenarbeit mit interessensgeleiteten Kooperationspartner:innen das Verhältnis von Interesse, Bildung und politischer Deutungsmacht tangiert, kann der Besuch von außerschulischen Lernorten durch eine Reflexion von Macht- und Herrschaftsinteressen wichtige Potenziale einer kritisch-emanzipatorischen politischen Bildung fördern.

LERNORT-KARTE

Gemeinsam mit Studierenden aus Seminaren der Universität Kassel zeigen wir mögliche Lernpotenziale von Lernarrangments des Politischen auf. Weil es sich hierbei häufig um "in Kooperationen-besuchte Lernorte" handelt, markieren wir neben Lernorten auch potenzielle Kooperationspartner:innen:

 

Mit Padlet erstellt

BEISPIELE für außerschulische Lernarrangements des Politischen

Demo

Lernort Supermarkt

Als wichtiger Ort des Konsums sind Supermärkte fester Bestandteil der Lebenswelten von Jugendlichen. Von Alltagserfahrungen ausgehend können am Beispiel von ausgewählten Produkten politische Themen- und Handlungsfelder eröffnet werden. Dabei sollte ein vorbereiteter Besuch nicht bei Zielen einer kritischen Verbraucher:innen-Bildung stehen bleiben, sondern auch die Verknüpfung zu einer (imperialen) Lebens- und Produktionsweise angestrebt werden.

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Demo

Lernort Stadtimkerei

Die Bedeutung von Bienen für Ökologie, Nahrungssicherheit, Gesellschaft und Kultur ist kaum zu überschätzen. Sie sind unverzichtbar für unser Ökosystem und unsere Ernährungssicherheit. Vor Ort kann im Rahmen einer (politischen) Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) der Besuch einer (Stadt-)Imkerei eine gelungene Ergänzung zum Lernen im Klassenraum darstellen. Die lokale und globale Bedeutung von Biodiversität und die Abhäniggkeiten zwischen Mensch, Natur und Mitwelt wird am konkreten Beispiel veranschaulicht. 

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Demo

Lernort SoLaWi

Solidarische Landwirtschaft (SoLaWI) ist eine alternative Strategie für eine lebendige, verantwortungsvolle Landwirtschaft, die gleichzeitig die Existenz der Menschen, die dort arbeiten, sicherstellt und einen essenziellen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leistet. Mit Schüler*innen können hier Alternativen zu konventionellem Anbau von Gemüse und Obst erschlossen und bewertet werden. 

 

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ANALYSE- UND BESCHREIBUNGSMODELL

tetraeder animation

Bei „in-Kooperationen-besuchten Lernorten“ wirkt sich das Vermittlungsinteresse der Anbieter:innen-Organisation auf die drei genannten Gestaltungsmerkmale und auch auf die Einbindung des Lerngegenstands aus.

Das Tetraeder „Gestaltungsmerkmale außerschulischer Lernarrangements“ der politischen Bildung entfaltet sich durch die drei Gestatungsmerkmale „außerschulischer Lernort“, „methodisch-didaktische Zugänge“ und „politische Bildner:innen“, die jeweils auf den Lerngegenstand bezogen sind und durch die Vermittlungsziele beeinflusst werden. Als Hilfestellung für die systematische Beschreibung von Lernarrangements kann ein plastisch gestaltetes Modell helfen, die unterschiedlichen Dimensionen bei der Planung oder Analyse zu berücksichtigen. 

bastelbogen klein  Hier finden Sie das Tetraeder als Bastelbogen als pdf-Datei zum Download.

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Verhältnis von Vermittlungszielen und Gestaltungsmerkmalen?

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Beziehung der verschiedenen Gestaltungsmerkmale

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Verhältnis von Lerngegenstand und (didaktischer) Gesamtszenografie

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Antizipierte Subjektpositionen der Lernenden

Lernpotenziale "im Dazwischen"

Die besonderen Lernpotenziale außerschulischer Lernarrangements entwickeln sich für die teilnehmenden Subjekte erst "im Dazwischen": Durch das Zusammenwirken der drei zu unterscheidenden Gestaltungsmerkmalen "Lernort", "methodisch-didaktischer Zugänge" und "politischen Bildner*innen, beeinflusst durch das Vermittlungsinteresse der Initiator*innen und den thematisierten Lerngegenstand.

Über Uns

Mit "Lernorten des Politischen" beschäftigen sich an politischer Bildung interessierte Menschen von den Universitäten Kassel, Hildesheim und Gießen. Neue politische Perspektiven auf außerschulische Lernarrangements in die Lehrer:innenbildung zu integrieren, ist eines unserer Ziele.

Kontakt

Eva-Maria Kohlmann
Universität Kassel
Didaktik der politischen Bildung

Oliver Emde
Universität Hildesheim

Politikdidaktik und Politische Bildung


 

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